Durch den agilen Hype werden immer mehr Tools (hauptsächlich Softwareprogramme) in Frage gestellt, die bisher zum erledigen vieler Aufgaben eingesetzt wurden. Die Frage ist, wieso passiert dieser gedankliche Wandel und was ist die Ursache, die dazu führte?

These: Tools (z.B. Softwareprogramme) haben die Absicht die Arbeit zu beschleunigen.

Meiner Meinung nach ist die grundlegende Idee Tools einzusetzen, wiederkehrende Arbeiten zu beschleunigen. Selbst die Erfindung des Computers war eben dieser Intention entsprungen. Denn Konrad Zuse wollte bestimmte Rechnungen beschleunigen, da diese sehr monoton und mühselig waren.

Dieses initiale Ziel bei der Einführung von beliebigen Tools vergessen wir allzu oft. Häufig werden Tools nicht anhand eines Beschleunigungsvorteils ausgewählt, sondern anhand der Funktionen, die uns das jeweilige Tool bietet; egal ob wir diese Funktion benötigen oder nicht. Daraus ergibt sich meine zweite These:

Ein qualitativ hochwertiges Tool muss den Prozess unterstützen und nicht der Prozess das Tool.

Das heißt im ersten Schritt gilt es die Arbeitsweise und den Prozess zu verbessern. Erst im zweiten Schritt wird diese Arbeitsweise durch ein Tool nochmals beschleunigt. Was allzu oft passiert ist jedoch, dass ein Tool eingesetzt wird in der Hoffnung es würde den Prozess per se beschleunigen. Das Gegenteil ist dann der Fall, d.h. die Arbeit wird dadurch behindert, dass die Arbeitsweise mit dem Tool erst erlernt werden muss. Das jeweilig eingesetzte Tool, ob es nun in Form einer Software oder eines Blatt Papiers und Stift in Erscheinung tritt, darf somit per se kein Selbstzweck sein. Woran sich sofort meine dritte und letzte These anschließt:

Ein Tool muss den gesamten Arbeitsfluss beschleunigen und nicht nur die Arbeit einzelner.

Dieser Punkt ist am schwersten zu evaluieren und auch nur noch anhand eines Beispiels zu erklären.

Angenommen zwei Personen Anton und Berta arbeiten zusammen. Anton wohnt in Europa und Berta in Australien. Falls Anton für sich feststellt, dass er am schnellsten Texte handschriftlich verfasst, die aber von Berta gegen gelesen werden müssen, behindert das Tool "Papier+Stift" möglicherweise den Gesamtfluss. Hier ist nun zu prüfen, ob eine E-Mail den Prozess beschleunigt oder nicht. Für jeden ist einsichtig, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass Anton für eine E-Mail kaum um einen derartig großen Faktor länger benötigen wird, dass sich der Einsatz eines PCs als Tool anstelle von Papier und Stift nicht lohnen würde.

Für ein beliebiges Tool eines komplexeren Ablaufs (Prozess) ist eine solche Fragestellung nicht so einfach bzw. so pauschal zu beantworten. Genau in solchen Fällen machen wir gerne den Fehler und suchen ein Tool anhand der Features und nicht anhand unserer Ziele aus. Doch auch hier sollte der Grundsatz "You ain't gonna need it" (YAGNI) beherzigt werden.